Diese Versammlung buddhistischer Praktizierender ist als Gö kar chang lo'i dé bekannt. Ngakpas oder Ngakmas (sNgags pa oder sNgags ma / Mantrin oder Mantrini) – männlich bzw. weiblich – sind ordinierte Praktizierende, die weder zölibatär noch enthaltsam leben. Sie tragen weiße Gewänder – Gö kar (Gos dKar) – und langes, ungeschnittenes Haar – Chang lo (Cang lo). Dé (sDe) bedeutet Versammlung.
Ngakpas und Ngakmas legen die Gelübde des Vajrayana ab, im Gegensatz zu den Mönchen und Nonnen, die die Gelübde des Sutrayana ablegen. Ihr Leben ist daher von Transformation anstatt Entsagung geprägt. Sie sind nicht so bekannt wie Mönche und Nonnen, da ihre Praxis mit dem institutionellen Leben nur schwer vereinbar ist. Daher leben sie auch in abgelegeneren Gebieten fernab von Städten. Sie leben oft als Ehepaare und haben Kinder. Sie sind bekannt für ihre großartigen künstlerischen Fertigkeiten, visionäre Entdeckungen und ihren Einfallsreichtum.
1971 wies Kyabjé Düd'jom Rinpoche Ngak'chang Chögyam Rinpoche an, sich für die Bewahrung des Gö-kar-chang-lo'i-dé im Westen einzusetzen. Seitdem arbeitet er daran, dieses Versprechen einzulösen.
Der Gö-kar-chang-lo'i-dé steht seit dem Ende der ersten Verbreitung des Buddhismus in Tibet unter enormem politischem Druck. Heute ist dieser Druck so groß, dass sich fast alle tibetischen Frauen, die in diesem Stil praktizieren, vor der Öffentlichkeit verbergen und nur selten den charakteristischen weißen Rock tragen. Auch viele männliche Praktizierende tragen den roten Rock der monastischen Tradition, um Verfolgung zu entgehen.
Vor seinem Tod im Jahr 1988 war Düd'jom Rinpoche das Oberhaupt der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus, und jeder Nyingma-Lama des mittleren bis späten 20. Jahrhunderts verehrte ihn als seinen Lehrer.